Ende August entscheiden Futter, Varroa, Volksstärke und Feuchte über die Überwinterung. Honigbienen schlafen nicht: Sie bilden eine Wintertraube, erzeugen Wärme durch Muskelzittern und leben von Vorräten. Trockene Kälte schadet gesunden Völkern meist weniger als Futterlücken, Restvarroa und nasse Waben.
Inhaltsverzeichnis
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Steuere futter, varroa und feuchte richtig
Prüfe Futter, Varroabelastung und Feuchte, dann steht die Wintervorbereitung auf sicherem Fundament. Futter muss direkt neben oder über der Traube liegen, denn bei Kälte können Bienen leere Waben nicht beliebig überqueren.
Verstehe die wintertraube
Rechne bei Frost nicht mit Stillstand. Die Traube bewegt sich langsam zum Futter, und der Verbrauch steigt bei langer Kälte oder früher Brutpflege. Winterbienen halten die Kerntemperatur durch Muskelzittern, was Zucker kostet. Deshalb schützt eine volle Futterwabe mehr als zusätzlicher Dämmstoff an der falschen Stelle.
Beurteile futter und varroa getrennt
Ein schwerer Kasten beweist nicht automatisch ein gesundes Volk. Die Varroabehandlung nach der Honigernte und die Erfolgskontrolle entscheiden stärker über Winterverluste als spätes Dämmen. Die Restentmilbung gehört in die brutarme oder brutfreie Zeit und muss mit einem zugelassenen Mittel nach Packungsbeilage erfolgen.
Lies die temperatur richtig
Öffne die Beute im Winter nur bei echtem Anlass.
| Wetterlage | Typisches Verhalten | Sinnvolle Maßnahme |
|---|---|---|
| Unter 8 °C | Traube sitzt eng, kein Flug | Nicht öffnen, nur Flugloch und Gewicht prüfen |
| 10 bis 12 °C, sonnig | Erster Reinigungsflug möglich | Flugloch von Totenfall und Schnee befreien |
| Ab 14 bis 16 °C | Kurze Durchsicht möglich | Nur bei begründetem Verdacht kurz kontrollieren |
Wenn Bienen überwintern, tragen nicht die kurzlebigen Sommerbienen das Volk durch die kalte Jahreszeit, sondern die ab Spätsommer aufgezogenen Winterbienen. Sie leben mehrere Monate, besitzen größere Eiweiß- und Fettreserven und versorgen die Wintertraube sowie die erste Brut im Frühjahr. Eine hohe Varroabelastung im August und September schwächt gerade diese langlebigen Bienen oft unsichtbar: Das Volk kann im Herbst noch kräftig wirken, bricht aber zwischen Januar und März ein.
Darum gehören schonende Varroabehandlung, ausreichende Futtervorräte und eine möglichst störungsarme Aufzucht der Winterbienen zusammen.
Plane august bis märz in fester reihenfolge
Erledige die Herbstaufgaben, damit im Winter fast nichts mehr zu tun bleibt. Die Überwinterung wird meist zwischen Ende Juli und Oktober entschieden.
Erledige den herbst vor der kälte
Füttere nach der Honigernte rechtzeitig ein. Die benötigte Menge liegt bei einem normalen Wirtschaftsvolk oft zwischen 12 und 20 Kilogramm eingelagertem Futter. Kontrolliere nicht nur die Gesamtmenge, sondern auch, ob Futterwaben oberhalb und neben dem Bienensitz liegen.
Kontrolliere außen, nicht zwischen den waben
Kontrolliere von November bis Januar mit den Händen und Augen. Hebe die Beute hinten wenige Zentimeter an oder wiege sie mit einer Kofferwaage. Prüfe Dach, Mäuseschutz, Flugloch und Standfestigkeit; blockierenden Totenfall entfernst du vorsichtig mit einem Draht durch das Flugloch.
Varroa behandeln, auffüttern
Volksstärke, Mäuse, Dach
Außenkontrolle, Restentmilbung
Gewicht prüfen, Futterteig bereit
Reinigungsflug, kurze Kontrolle
Passe zargen und lüftung dem volk an
Wähle den Raum passend zur Bienenmasse, damit die Traube Futter erreichen kann. Entscheidend sind besetzte Waben, Beutenmaß, erreichbare Vorräte und Volksstärke im Oktober.
Entscheide zwischen einer und zwei zargen
Überwintere kompakte Völker auf dem Raum, den sie tatsächlich besetzen. Unbesetzte, kalte Waben sind kein Sicherheitsvorrat, wenn die Traube sie bei Frost nicht erreicht. Umgekehrt wird ein starkes Volk zu eng, wenn Futter- und Brutraum fehlen.
| Winteraufstellung | Passt eher bei | Prüfkriterium |
|---|---|---|
| Eine Zarge | Kompaktem Volk und kleinem Beutenmaß | Genug verdeckeltes Futter an allen besetzten Gassen |
| Zwei Zargen | Starkem Volk mit Futterraum über dem Sitz | Oberer Raum ist nicht leer, Futteranschluss vorhanden |
Halte die beute trocken statt heiß
Führe Feuchte ab, aber vermeide dauernde Zugluft. Ein dichtes Dach, ein leicht nach vorn geneigter Stand und ein freies Flugloch helfen mehr als luftdichtes Verpacken. Trockene Kälte wird von einem gesunden, ausreichend großen Volk meist besser bewältigt als Nässe über dem Bienensitz.
Ob der Boden offen oder geschlossen bleibt, richtet sich nach Beutensystem, Standort und Wetterlage. Ein offener Gitterboden kann Feuchtigkeit abführen und verhindert, dass sich Kondenswasser über der Wintertraube staut; bei einem dauerhaft zugigen, exponierten Stand braucht das Volk jedoch vor allem Windschutz von außen, nicht einen luftdicht verschlossenen Kasten. Ein geschlossener Boden oder eine eingelegte Bodenschieberplatte kann bei sehr windigen Standorten sinnvoll sein, darf aber keine Nässe einschließen.
Entscheidend sind ein dichtes Dach, eine leicht nach vorn geneigte Beute, ein freies Flugloch und keine Tropfen über dem Bienensitz. Trockene Kälte ist für ein ausreichend starkes Volk meist besser beherrschbar als feuchte, stehende Luft.
Greife nur bei klaren warnzeichen ein
Unterscheide normale Winterruhe von einem echten Notfall. Ein stilles Flugloch bei Frost und wenige tote Bienen davor sind zunächst kein Grund zur Sorge.
Ordne sichtbare zeichen ein
Bewerte immer mehrere Zeichen zusammen.
- Sehr leichte Beute: Futterteig über dem Bienensitz auflegen, nicht flüssig füttern.
- Nasser Deckel oder Schimmel: Dach und Auflage prüfen, Tropfwasserquelle beseitigen, nicht die Traube auseinandernehmen.
- Flugloch verstopft: Totenfall, Schnee oder Mäuse vorsichtig entfernen.
- Viele krabbelnde, flugunfähige Bienen: Bei milder Witterung kurz prüfen und Varroa-Vorgeschichte dokumentieren.
- Sturm- oder Spechtschaden: Beute sofort wetterfest schließen, danach nur kurz kontrollieren.
Stoppe falsche rettungsversuche
Gib im kalten Winter kein Zuckerwasser in die Beute. Futterteig liegt direkt über den Bienen und kann langsam abgenommen werden, ohne die Wintertraube unnötig zu zerlegen.
Warnzeichen lassen sich im Bienenstock im Winter nur im Zusammenhang deuten:
- Eine deutlich leichtere Beute, leises oder fehlendes Summen bei vorsichtigem Anklopfen und viele tote Bienen können auf Futtermangel hinweisen. Dann hilft Futterteig direkt über dem Bienensitz.
- Nasse Deckel, Tropfen auf der Folie und Schimmel sprechen eher für Feuchte in der Beute oder eine undichte Abdeckung. Viele verkrüppelte oder flugunfähige Bienen bei milder Witterung passen zu einer früher hohen Varroabelastung. Ein sehr kleines Volk mit wenig Flugverkehr kann dagegen zu schwach oder weisellos sein.
- Weisellosigkeit ist im Winter von außen kaum sicher feststellbar und sollte erst bei passendem Flugwetter geprüft werden.
Bei dauernd feuchten Waben trotz dichtem Dach ist zudem die Luftführung zu kontrollieren.
Häufige fragen
Wie stark muss ein volk zum überwintern sein?
Ein Wintervolk sollte im Herbst mehrere Wabengassen gut besetzen und Futter sicher erreichen können. Sehr schwache Einheiten werden meist besser vor dem Winter vereinigt. Die passende Stärke hängt auch vom Beutenmaß ab.
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Halte das volk trocken und ungestört
Bereite im Herbst alles vor und störe im Winter nur bei einem klaren Grund.
- Das Wesentliche: Winterbienen überleben als Traube mit erreichbarem Futter, nicht durch einen luftdicht warm verpackten Kasten.
- Die Varroabehandlung und das Auffüttern gehören in den Spätsommer und Herbst.
- Bei Frost reichen Außenkontrollen, Gewichtskontrolle und ein freies Flugloch meist aus.
- Futterteig über der Traube hilft bei spätem Hunger schonender als flüssiges Futter.
- Feuchtigkeit über dem Bienensitz ist oft gefährlicher als trockene Kälte.
Was macht ein imker im winter?
Ein Imker kontrolliert im Winter vor allem Flugloch, Dach, Mäuseschutz und Gewicht der Beute von außen. Bei brutfreien Völkern kann eine zugelassene Restentmilbung anstehen, ansonsten hat Ruhe Vorrang. Waben werden bei Frost nicht gezogen.
Fliegen bienen im winter überhaupt?
Bienen fliegen im Winter bei mildem, sonnigem und möglichst windstillem Wetter oft ab etwa 10 bis 12 °C zum Reinigungsflug. Sie leeren dabei ihren Darm außerhalb der Beute. Das ist ein gutes Zeichen, aber kein Beweis für volle Futterwaben.
Was essen bienen im winter?
Bienen essen im Winter ihre eingelagerten Zuckerreserven aus verdeckelten Futterwaben. Bei drohendem Futtermangel ist Futterteig über der Traube die schonendste Notmaßnahme. Flüssigfutter passt nicht in eine kalte Winterphase.
Interessante Links
Diese Quellen können das Thema ergänzen:
- Bienen im Winter — bienen.ch
- Bienen im Winter » alles zur Überwinterung | Wachs HÖDL — wachs-hoedl.com
- Bienen im Winter - So überwintern Bienenvölker — honigtopf-gera.de
- Was machen Honigbienen im Winter?: BZL - Landwirtschaft.de — landwirtschaft.de
- Schwache Bienenvölker nicht allein überwintern
- Bei Styroporbeuten entscheidet das Maß, nicht der Preis
Redaktionsteam
Unser Redaktionsteam besteht aus erfahrenen Imkern und Bienenexperten, die ihr Praxiswissen aus deutschen Imkereien direkt in verständliche Ratgeber übersetzen. Wir recherchieren aktuelle Empfehlungen, testen Produkte und behalten den Überblick über Vorschriften und Methoden in Deutschland.
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