Honigernte & Verarbeitung

Wer Honig zu billig verkauft, zahlt drauf

Nach der Schleuderung stehen die Gläser sauber gefüllt auf dem Tisch, Freunde fragen nach „ein paar Gläsern“ – doch Glas, Deckel, Etikett, Abfüllzeit, Fahrten und Arbeit am Bienenstand gehören in den Verkaufspreis.

Inhaltsverzeichnis

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Der preis muss alle kosten je glas tragen

Ein Glas Honig ist erst dann rentabel verkauft, wenn sein Preis alle Kosten der Charge und einen Lohn für die eigene Arbeit abdeckt. In Deutschland muss beim Verkauf vorverpackter Ware zudem der Grundpreis, also der Preis je Kilogramm, gut sichtbar genannt werden. Ein 500-g-Glas für 9,00 Euro entspricht damit 18,00 Euro je Kilogramm.

Die vollkostenformel pro glas

Die Kalkulation beginnt mit einer einfachen Rechnung: Gesamtkosten der Charge geteilt durch die Zahl verkaufsfähiger Gläser, plus der gewünschte Ertrag je Glas. Verkaufsfähige Gläser sind nur die Gläser, die nach Bruch, Probiergläsern und Rücklagen wirklich verkauft werden können.

Ein Beispiel für 100 Gläser à 500 g: Honig und imkerliche Erzeugung 3,50 Euro, Glas, Deckel und Etikett 1,00 Euro, Abfüllzeit 1,70 Euro und anteilige Fahrt- oder Marktgebühren 0,80 Euro ergeben 7,00 Euro je Glas. Bei 9,00 Euro Verkaufspreis bleiben 2,00 Euro für Gewinn, Rücklagen und unerwartete Kosten.

Ein Preis von 8,50 bis 11,50 Euro für 500 g kann im regionalen Direktverkauf wirtschaftlich passen, wenn die Vollkosten darunter liegen. Die passende Zahl ist nie der Nachbarpreis, sondern der Betrag, der die eigene Charge trägt.

Rabatt nur mit klarer gegenleistung

Rabatte sind sinnvoll, wenn sie Kosten sparen. Wer sechs Gläser auf einmal abholt, verursacht weniger Beratung, Verpackung und Zahlungsaufwand als sechs einzelne Verkäufe. Ein Nachlass von 3 bis 8 Prozent kann dann begründbar sein.

Um den Honigpreis kalkulieren zu können, lohnt sich eine Vollkostenrechnung je Honigcharge. Erfassen Sie zunächst alle Jahres- und Chargenkosten getrennt: Futter, Behandlungen, Wachs, Geräteabschreibung, Schleuderraum, Fahrten, Gläser, Deckel, Honigetikett und eigene Arbeitszeit. Teilen Sie diese Summe anschließend durch die tatsächlich verkaufsfähige Menge. Bei 100 Kilogramm Ernte und 190 verkaufsfähigen 500-g-Gläsern werden die Kosten je Glas nicht durch die theoretischen 200 Gläser geteilt, sondern durch 190.

Für andere Größen bleibt die Rechnung vergleichbar: Ein 250-g-Glas trägt etwa die halbe Honigmenge, aber nahezu die gleichen Kosten für Glas, Deckel, Etikett und Abfüllung. So lässt sich auch der Grundpreis je Kilogramm sicher ableiten.

Wer Honig zu billig verkauft, zahlt drauf

Sechs angaben machen das etikett verkaufsfest

Vorverpackter Honig braucht eine lesbare Bezeichnung, Nettofüllmenge, Mindesthaltbarkeitsdatum, Loskennzeichnung, Name und Anschrift des verantwortlichen Lebensmittelunternehmers sowie eine Herkunftsangabe. Maßgeblich sind unter anderem Honigverordnung, LMIV und LFGB.

Bezeichnung muss zum honig passen

„Blütenhonig“ beschreibt Honig aus Blütennektar, „Waldhonig“ Honig aus Honigtau. Sortenhonig wie Rapshonig oder Lindenhonig verlangt eine belastbare Grundlage aus Trachtbeobachtung und, bei Zweifeln oder hoher Aussagekraft, einer Honiganalyse.

Eine losnummer spart später ärger

Eine Loskennzeichnung verbindet jedes Glas mit einer bestimmten Charge. Denkbar ist etwa „L2407“, wenn alle Gläser dieser Losnummer aus derselben dokumentierten Abfüllcharge stammen. Sie ist wie ein Aktenzeichen auf einer Rechnung.

Die Praxis deutscher Imkereien zeigt klar: Fehler entstehen oft beim Zusammenführen mehrerer Schleuder- oder Abfülltage ohne saubere Liste. Notieren Sie Erntedatum, Standplatz, Schleudertag, Glaszahl, Mindesthaltbarkeit und Losnummer in einer Tabelle.

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Direktverkauf bringt meist die bessere marge

Direktverkauf ab Hof, über Stammkunden oder auf dem Wochenmarkt bringt kleinen und mittleren Imkereien meist den höchsten Erlös pro Glas. Wiederverkäufer und Gastronomie bringen Reichweite, zahlen aber einen niedrigeren Einkaufspreis und erwarten planbare Nachlieferungen. Für begrenzte Ernten ist ein Kanal mit hoher Marge oft besser als fünf Kanäle mit leeren Regalen.

Kanäle nach erlös und zeit wählen

AbsatzkanalErlös je 500-g-GlasZahlungZusatzaufwand
Honigverkauf ab Hofvoller EndkundenpreissofortAbholung organisieren
Wochenmarktvoller EndkundenpreissofortStandgebühr, 4 bis 6 Stunden
Online-Shopvoller EndkundenpreissofortVersand und Zahlungsgebühren
Hofladen oder GastroEinkaufspreis minus Handelsspanneoft 14 bis 30 TageLieferung und Nachschub

Händler nur mit liefervertrag

Ein Wiederverkäufer braucht vor der ersten Lieferung klare Angaben zu Glasgröße, Einkaufspreis, Mindestmenge, Zahlungsziel und Lieferintervall. Ein Hofladen kann 12 bis 100 Gläser bestellen, verlangt dafür aber häufig eine Handelsspanne von 25 bis 40 Prozent.

✅ Unsere Empfehlung

Selbstklebende Etiketten helfen besonders bei kleinen Chargen, wenn Losnummer und Mindesthaltbarkeit sauber auf jedes Glas müssen. Entscheidend sind ein haftender Kleber und genügend Platz für alle Pflichtangaben.

Verfügbarkeit prüfen →
Eine ausgebaute Vermarktung ist nicht sinnvoll, solange keine hygienisch einwandfrei gelagerte und ausreichend dokumentierte Charge vorliegt. Wer wenige Gläser nur verschenkt oder selbst verbraucht, braucht keine Vertriebsstrategie. Lebensmittelrechtliche Anforderungen können dennoch gelten, sobald Honig in Verkehr gebracht wird.

Beim Versand im eigenen Online-Shop entstehen neben Porto und Karton weitere Pflichten. Wer Versandverpackungen erstmals gewerblich mit Ware an Endkunden abgibt, muss in Deutschland grundsätzlich vor dem Versand im Verpackungsregister LUCID registriert sein und die Verpackungen an einem dualen System beteiligen, soweit keine Ausnahme greift. Im Shop müssen Käufer außerdem vor der Bestellung den Gesamtpreis einschließlich Versandkosten, Lieferbedingungen sowie Name und Anschrift des Verkäufers klar erkennen können.

Rechnen Sie Versandmaterial, Zahlungsgebühren, Kommissionierung und mögliche Transportschäden in den Honigverkauf ein: Ein einzelnes Glas ist online oft deutlich weniger rentabel als ein Paket mit mehreren Gläsern.

Häufige fragen

Wie viel kostet 500 g regionaler honig?

Ein 500-g-Glas regionaler Honig liegt häufig zwischen 8,50 und 11,50 Euro, wenn Vollkosten und Arbeitszeit enthalten sind. Sorte, Region, Glasart und Verkaufskanal können den Preis verändern.

Wie viel rabatt kann ich stammkunden geben?

Ein Rabatt von 3 bis 8 Prozent kann bei Mehrglas-Abholung sinnvoll sein. Er sollte nur Kostenersparnis weitergeben und nie den errechneten Mindestpreis unterschreiten.

Muss ich meinen honigverkauf anmelden?

Ein Honigverkauf muss je nach Umfang, Steuerstatus und Vertriebsform unterschiedlich eingeordnet werden. Klären Sie vor dem Start mit Finanzamt, Gewerbeamt und Lebensmittelüberwachung, welche Anmeldung an Ihrem Standort gilt.

Brauche ich für sortenhonig eine analyse?

Für Sortenhonig ist eine Analyse nicht immer gesetzlich zwingend, aber bei strittiger Sortenbezeichnung sehr sinnvoll. Trachtbeobachtung allein ist bei Raps-, Linden- oder Waldhonig nicht immer ein ausreichender Nachweis.

Darf ich DIB-Gläser für jeden honig nutzen?

DIB-Gläser dürfen nur nach den geltenden Bedingungen des Deutschen Imkerbundes e. V. genutzt werden. Pflichtangaben wie Losnummer, Mindesthaltbarkeit und Herkunft bleiben trotzdem erforderlich.

Muss auf honig das herkunftsland stehen?

Ja, Honig braucht eine Herkunftsangabe, etwa „Deutschland“, wenn er vollständig dort erzeugt wurde. Bei Mischhonig gelten zusätzliche europäische Vorgaben zur Angabe der Ursprungsländer.

Lohnt sich ein Online-Shop für kleine mengen?

Ein Online-Shop lohnt sich meist erst bei genug Nachfrage für regelmäßige Sendungen von mehreren Gläsern. Versand, Verpackung und Zahlungsgebühren können bei Einzelgläsern 2 bis 6 Euro je Bestellung kosten.

Kann ich honig an cafés und restaurants verkaufen?

Cafés und Restaurants können Honig kaufen, wenn Preis, Mindestmenge und Lieferzeit schriftlich klar sind. Rechnen Sie bei Zahlungszielen oft mit 14 bis 30 Tagen und planen Sie Nachlieferungen nur aus sicherem Bestand.

Das Wesentliche:
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Unser Redaktionsteam besteht aus erfahrenen Imkern und Bienenexperten, die ihr Praxiswissen aus deutschen Imkereien direkt in verständliche Ratgeber übersetzen. Wir recherchieren aktuelle Empfehlungen, testen Produkte und behalten den Überblick über Vorschriften und Methoden in Deutschland.

Die Informationen auf dieser Website dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine tierärztliche oder fachliche Beratung. Für Behandlungen und Medikamentendosierungen wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Veterinär oder Ihre lokale Imkervereinigung.